Damit ein ganzheitliches Therapiekonzept erreicht werden kann müssen die 3 grundlegenden Systeme im Körper im Gleichgewicht sein:
Weil OI ein genetischer Kollagendefekt ist (und kein Kalziummangel oder Nährstoffmangel),
können Symptome der OI nicht mit Ernährung oder Nahrungsergänzungspräparaten
verhindern werden.
Es ist aber Möglich, Probleme zu verhindern, welche nichts mit Gendefekten
zu tun haben:
Kalzium ändert nichts am Kollagendefekt der OI, trotzdem ist auf adäquate Kalziumeinnahme zu achten, um Knochenmasse aufzubauen (zu wenig Kalzium erhöht das Bruchrisiko). Empfehlung: 1g/Tag bei Erwachsenen (zur genauen Bestimmung muss eine 24h-Urinprobe ausgewertet werden)
Vitamin D hilft bei der Kalziumaufnahme (15 min. am Sonnenlicht ausgesetzt sein genügt dem Körper dieses Vitamin herzustellen).
Zuviel Alkohol und Koffein (sowie Schwefel und Phosphor) fördert das Ausschwemmen des so wichtigen Kalziums.
Muskeln sichern die Gelenke und stützen den Körper und die Knochen. OI neigt zu Muskelschwund wegen Angst vor Brüchen => Inaktivität
Ein verkürzter Muskel (z.B. Brustmuskel, Hüftbeuger/-strecker) zwingt andere Muskeln zu mehr Energieverbrauch und erhöht dabei den Druck auf Gelenke und Knochen. Bei verkürzten Musklen können folgende Probleme auftauchen:
Muskelverkürzungen sind unnötig und leicht therapierbar!
Ein steifes Gelenk zwingt angrenzende Gelenke zu Überbeweglichkeit.
Dies und Wirbeleinbrüche sind der Beginn von Skoliosen.
Ein skoliotischer Rücken belastet alle mechanischen Systeme.
(Knochen, Muskeln, Organe, ...)
Ziel der Physiotherapie ist es, den Muskel allmählich zu stärken
und dadurch eine bessere Haltung sowie eine Stärkung des Knochens herbeizuführen.
Je nach Schweregrad der Behinderung ist das Programm individuell abzustimmen.
Bei Kleinkindern ist zum Beispiel das leichte Schwingen in einem Tuch zu empfehlen,
da es dadurch die Bewegungen spüren lernt und auch anfängt, seine
Sinne miteinander zu koordinieren.
Bewegungen sollten sofort gefördert werden. Auf gar keinen Fall darf
jedoch ein Kind, das noch nicht selbständig sitzen kann, über längere
Zeit durch ein Kissen abgestützt zum Sitzen gezwungen werden. Es muss
seine motorischen Fähigkeiten selbst entwickeln, danach erst zur Festigung
des Erlernten unterstützt werden.
Bei Skoliose bewirken die Verbiegung der Wirbelsäule und die Verdrehung
der einzelnen Wirbelkörper nicht nur eine Deformation der Körperhaltung,
sondern auch eine Verschiebung der einzelnen Rippen und somit des gesamten
Brustkorbes. Die Rückenmuskulatur wird gedehnt und verkürzt und
stellt sich somit auf die Deformation ein. Die Atmung sowie die Herz- und
Kreislauffunktion ist eingeschränkt. Die Krankengymnastik sieht deshalb
folgende Punkte vor:
Schulung der Atmung, damit die zusammengedrückt gewesenen Lungenareale
sich wieder entfalten können und die Rippen wieder in ihre ursprüngliche
Lage zurückdrehen, was eine Stabilisierung der Wirbelsäule zur Folge
hat.
Aktive Streckung von Wirbelsäule und Brustkorb, um wieder Länge
zu gewinnen, damit die Vor-, Rück- und Seitwärtsverschiebungen rückverlagert
werden und sich allmählich der Norm anpassen.
Gezielte Kräftigungsübungen der Rückenmuskulatur sollen die
neu gewonnene Senkrechte stabilisieren.
Alle Korrekturen des Körpers sollen verinnerlicht werden, um sie auch
im Alltag zu bewahren.