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Bearbeitet von: Dr. Marianne Rohrbach

Klassifikation von OI (Glasknochenkrankheit) in 4 Typen nach David Sillence et al. 1979

Unsere Website richtet sich an alle an OI Interessierten, natürlich auch an Fachpersonen. Das hat zur Folge, dass einzelne Textstellen für Laien nicht auf Anhieb verständlich sein dürften. Lassen Sie sich nicht entmutigen, fragen Sie den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens.

Typ I

Der Typ I ist die häufigste Form der OI. Die erhöhte Knochenbrüchigkeit ist dabei das vorherrschende Symptom. Die Knochenbruchrate variiert von äusserst selten bis häufig. Die Knochenbrüche treten meist erst beim Laufenlernen auf, was früher und zum Teil heute noch als "Osteogenesis imperfecta tarda", als "verzögerte Form" bezeichnet wird. Während der Kindheit bleibt die Häufigkeit der Frakturen in etwa konstant, um dann mit Beginn der Pubertät abzunehmen.
Da die Knochenheilung nicht beeinträchtigt ist, resultieren zumeist auch keine Knochenverformungen. Aufgrund dessen erreichen die Patienten auch eine normale Erwachsenengrösse. Eine Dentinogenesis imperfecta, eine grau-bläulich schimmernde Verfärbung der Milch- und bleibenden Zähne, Schmelzabsplitterungen und Formabweichungen der Zahnwurzeln ist eher selten.
30 % - 50 % der Betroffenen entwickeln eine Hörstörung, wobei sowohl das Innenohr (Geräuschwahrnehmung) als auch das Mittelohr (Geräuschverstärkung durch die 3 Gehörknöchelchen) betroffen sein kann.

Typ II

Dies ist die schwerste Form der OI, die bereits vor der Geburt, während der Geburt oder im frühen Säuglingsalter zum Tode führt. Viele Kinder werden zu früh und untergewichtig geboren. Die Neugeborenen haben ein charakteristisch dreieckförmiges Gesicht, blaue Skleren und einen weichen Schädel. Die Extremitäten sind kurz, gebogen, vielfach gebrochen und zusammengestaucht. Mehrfache Rippenbrüche führen zu Verformungen des Brustkorbes.

Typ III

Die Osteogenesis imperfecta Typ III bezeichnet eine klinisch sehr schwer verlaufende Form. Im Gegensatz zum Typ II überleben fast alle Kinder das Säuglingsalter, doch ist bei ¼ die Lebenserwartung verringert. Ältere Patienten haben schwere Knochenverformungen und sind kleinwüchsig. Ausgeprägte Verkrümmungen der Wirbelsäule können im späteren Alter zu Komplikationen der Atmung führen. Die Skleren sind nicht sehr stark bläulich gefärbt, bei älteren Betroffenen sogar weiss.

Typ IV

Der Typ IV der Osteogenesis imperfecta wird nur ganz selten von Familien beschrieben. Bei Geburt sind die Kinder häufig normal gross, liegen aber im Alter von 2 - 3 Jahren schon im unteren oder unter dem Normbereich. 30 % der Patienten bekommen eine Wirbelsäulenverkrümmung. Eine Hörstörung ist sehr selten, häufig dagegen eine "Dentinogenesis imperfecta". Die Skleren sind weiss bis grau. Der Typ IV der OI wird oft auch als Übergangsform vom Typ I zum Typ III angesehen.

 

Modifizierte Einteilung nach Sillence 1979 inkl. neu beschriebene Typen

Typ

Häufigkeit

Erbgang

Gen / Mutation

Klinische Zeichen

I

40%

 

AD

COL1A1& COL1A2

Premature Stop Mutation

Blaue Skleren, normale Statur, Frakturen,Hörbeinträchtigung, Auftreten von Dentinogenesisimperfecta (DI) selten

II

20%

AD

COL1A1 & COL1A2

Missense Mutation

splice site Mutation

Deletion

Perinatal lethal, blau-graue Skleren, klein fürGestationsalter, Atemnot, Deformation der
Extremitäten, Froschbein-Position, weiches
Schädeldach

III

15%

AD

COL1A1 & COL1A2

Schwerwiegender Phänotyp, kleine Statur,
multiple Frakturen, progressive Deformitäten,
meist nicht gehfähig, ev. DI, Hörverlust inAdoleszenz

IV

5%

AD

COL1A1 & COL1A2

Milder als OI III, normalerweise gehfähig, DI
häufig, Hörverlust im Erwachsenenalter,
normal-graue Skleren

V

5%

AD?

?

Mild bis moderat, Verkalkungen der inter-
ossären Membran, radiale Dislokation des
Kopfes, hyperplastische Kallusbildung

VI

 

AR?

?

Keine DI, ähnlich wie Typ III

VII

< 10%für Typen

VII und VIII

AR

CRTAP

Premature Stop Mutation 

Überlappend mit Typen II und III. Ebenfallsmildere Formen beschrieben

VIII

 

AR

LEPRE1

Premature Stop Mutation

Überlappend mit Typen II und III. Ebenfallsmildere Formen beschrieben

?

Selten

AR

PPIB

Sehr schwere Form

?

selten

AR

SERPINH1

Mildere OI Formen

 

AD: autosomal dominant

AR: autosomal recessive

zu diesen Begriffen vgl. Genetik

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 06. April 2011 um 09:58 Uhr